Mobbing – und wie wir ihm begegnen können


 

Dieser Begriff wird umgangssprachlich inzwischen sehr häufig gebraucht. Dadurch entsteht die Gefahr, dass dessen Bedeutung verwässert.

Was ist Mobbing?

Menschen, die Opfer von Mobbing sind, wissen, wie ernst die Folgen sind und wie hoch die Belastung, die durch Mobbing entsteht. Worum handelt es sich dabei? Durch entsprechende Bemerkungen und Handlungen von Kollegen, Mitarbeitern und Chefs werden die Betroffenen aus Informationsketten ausgeschlossen, ihnen werden teilweise falsche Informationen gegeben, die Ergebnisse, die sie produzieren, werden massiv abgewertet, die Menschen finden keine Orientierung mehr in ihrem sozialen Umfeld, Vertrauen ist nicht mehr möglich. Dadurch geraten sie in einen hohen inneren Stress, über den sie, mindestens innerbetrieblich, mit niemandem reden können.

Innerpsychische Belastungen

In der Regel geben sich die Betroffenen selber die Schuld für das, was ihnen da passiert. Es entstehen Überzeugungen wie beispielsweise: Ich bin nicht gut genug, andere wissen mehr und können mehr, ich werde nicht gemocht, nicht akzeptiert. All diese Schlussfolgerungen münden in eine massive Abwertung des Selbst, so dass diese Menschen unter einem hohen inneren Stress stehen, den sie an keiner Stelle entladen können und der täglich neue Nahrung findet. Deswegen führen diese Vorgänge auch immer wieder zu massiven krankhaften Veränderungen bei dem Betroffenen. Sie zeigen alle Anzeichen einer Depression, allerdings bleibt es meist nicht allein bei depressiven Störungen, es kommen sehr häufig körperliche Störungen hinzu: ähnlich wie bei anderen massiven Stresssymptomen ist der Schlaf gestört, tritt keine Entspannung mehr ein, so dass die Symptomatik insgesamt sich stark zuspitzt. Aufgrund der Tatsache, dass die Betroffenen sich selber die Schuld an den Vorgängen geben, wird erst relativ spät um Hilfe nachgesucht, so dass dann der Prozess schon relativ weit fortgeschritten ist.

Recht und Mobbing

Dummerweise ist der rechtliche Schutz bei Mobbing auch nicht stabil gegeben. Mobbing ist schwer nachweisbar und deshalb auch nur schwer juristisch zu verfolgen. Für die Betroffenen heißt das: noch weniger Schutz. Aufgrund der Destabilisierung ist es auch fraglich, ob die Betroffenen ein Gerichtsverfahren durchstehen würden.

Ich habe immer wieder mit Arbeitsrechtlern zusammengearbeitet in Fällen von Mobbing, die das Problem hatten, dass ihre Mandanten beispielweise den schriftlichen Einwendungen der Gegenseite nicht gewachsen waren, zumal dann in der Regel die Persönlichkeit der Betroffenen attackiert wird, um die Klage abwenden zu können.

Was sollte getan werden?

In jedem Fall ist es angeraten, frühzeitig professionelle Unterstützung zu holen. Mindestens sind die Betroffenen dann nicht mehr allein. Die eigenen Regulationsmechanismen können unterstützt und teilweise überhaupt wieder in Gang gebracht werden. Gerade weil die Überzeugungen der Betroffenen von sich selbst durch Mobbing angegriffen werden („Früher war ich doch immer eine kompetente Mitarbeiterin.“), müssen diese Überzeugungen wieder umgebaut werden. In manchen Fällen ist es die beste Lösung, das Unternehmen zu verlassen. Das ist psychisch natürlich auch nicht leicht zu verkraften.

Mobbing geht mit hohem Stress einher. Deshalb sind alle Verfahren der Beratung und Psychotherapie geeignet, die zur Reduktion von Stress beitragen.

 

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