Kündigung

Auszüge aus „Veränderung in unsicheren Zeiten“

Diese Inhalte des Buches „Veränderung in unsicheren Zeiten“ sind heute mehr denn je relevant uns passen zur aktuellen Situation. Darum werden wir in den nächsten Artikeln immer wieder Auszüge aus unserem gleichnamigen Buch veröffentlichen. Dieses in der Coronazeit entstandene Buch spiegelt eine ähnliche Unsicherheitssituation in der Bevölkerung, wie sie heute der Fall ist.

Teil 3: „Kündigungstrauma“ in unsicheren Zeiten

Was kann ROMPC® im Business-Kontext leisten?

von Stephanie Kämper und Martin Carstens

Was bedeutet es einer Kündigung ausgesetzt zu sein?

Dies ist ein hochkomplexes Thema. Eine Kündigung hat zunächst den Verlust des Arbeitsplatzes, des Lohnes, sowie der Zugehörigkeit zum Unternehmen zur Folge. Auf den ersten Blick betrifft eine Kündigung primär die Arbeitnehmenden. Auf den zweiten Blick sind die Auswirkungen durch eine Kündigung viel weitreichender.

Im Folgenden zeigen wir die verschiedenen Belastungen für die Gekündigten, das soziale Umfeld und die Familie auf, sowie die vielfältigen Auswirkungen im Unternehmen. Wir geben einen Überblick über gelingende Beratungsansätze in Coaching und Therapie in Verbindung mit dem integrativen Verfahren ROMPC.

Der eindeutige Verlust durch eine Kündigung

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die unterschiedlichen Auswirkungen einer Kündigung.

Eine Kündigung wird als ein Beziehungsabbruch erlebt, der einem Rudelausschluss gleichkommen kann (Rudel hier: Unternehmen, Kollegen, Kunden). Das ist die soziale Höchststrafe und ist existentiell bedrohlich. Eine Kündigung ist, besonders wenn sie unerwartet geschieht, eine subjektiv empfundene lebensbedrohliche Situation, in der unsere Stressprogramme (Fight/Flight) versagen.

Kampf und Fluchtimpulse würden die Situation noch schlimmer machen und müssen deshalb unterdrückt werden. Die Kündigung wird oft als ausweglose Situation erlebt, die innere Stressreaktion entspricht eher dem Freeze-Zustand, einer inneren und äußeren Lähmung. Zugleich wird eine massive Anpassungsleistung an die neuen Lebensumstände erforderlich, die meist nur durch Abspaltung beziehungsweise Fragmentierung als Traumanotfallreaktion beantwortet werden kann.

… Daher ist es wichtig als Coach und Berater sensibilisiert zu sein für etwaige fragile Lebenssituationen.

… Gleichzeitig stellen sich folgende Fragen in Bezug auf das soziale Umfeld:

  • „Wie kommunizieren wir das in unserem Freundeskreis, Bekanntenkreis und mit den Nachbarn?“ „Mit welchen Reaktionen haben wir zu rechnen?“
  • „Was wird wie weitererzählt?“
  • „Wer kann damit gut und hilfreich umgehen?“
  • „Welche Beziehungen werden eher belastet?“
  • „Wer erfährt erstmal besser nichts davon, weil man Vorwürfe, Unverständnis, Rechtfertigungsdruck befürchtet und Sorge hat um die eigene Reputation?“

In dieser Situation ist man als Betroffener sehr dünnhäutig und sensibilisiert für Stimmungen und mögliche Stigmatisierung der eigenen Person.

… In den unmittelbar ersten Wochen nach der Kündigung sind häufig Angst, Panikattacken und Verzweiflung die Folge. Körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwindelgefühle, Schlaflosigkeit, Unkonzentriertheit, Schweißausbrüche, Orientierungslosigkeit können den Klienten in seiner Handlungsfähigkeit blockieren und den Zugriff auf seine Ressourcen hindern (Euchner (2013), S. 88).

Wirkung von dem traumatherapeutischen Verfahren ROMPC

(Gerade in unsicheren Zeiten können) …mit den Entkopplungstechniken und anderen Behandlungstechniken von ROMPC, darunter induzierte Augenbewegungen und Blinzeln, Atemtechnik, rhythmische Bewegungen und ähnlichen unterstützenden Methoden, … dem Klienten sowohl ROMPC-Bewältigungsstrategien angeboten als auch Selbstbehandlungsstrategien mit ROMPC vermittelt werden. Dadurch wird dem Klienten die Möglichkeit gegeben wieder auf seine Ressourcen zugreifen zu können, um sich an die neue Situation angemessen anzupassen (Weil (2020), S. 142, 307, 345).

… Da sich ein Trennungstrauma destruktiv in die Glaubenssätze über sich selbst manifestieren kann und das Selbstwertgefühl wie das Selbstvertrauen schwächt, wird mithilfe von ROMPC vor allem in der letzten Phase die Selbstakzeptanz und Lebenshaltung gestärkt.

… Durch die professionelle Beziehung zu einem ROMPC-Berater kann der/die Betroffene eine Bestätigung für das Erlebte und Erklärungsmodelle für den eigenen Verarbeitungsprozess erhalten. Vor allem aber in einer Zeit, in der Beziehung nur auf Distanz möglich ist, ist die wohlwollende Beziehung zu sich selbst die wichtigste Ressource, die wir haben. Um diese wiederaufzubauen und zu unterstützen, hilft die Begleitung mit ROMPC, um von der Trennung wieder zurück zur Bindung zu gelangen. Denn Bindung ist die Grundlage für die lebensnotwendige Widerstandskraft und die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. …

Wir passen uns an Veränderungen an

… (Es) gilt immer zu berücksichtigen, dass es für manche Krankheiten und Krisen keine Heilung und auf manche Fragen keine Antworten gibt. Der Wunsch nach Beherrschbarkeit (mastery) der Situation und nach persönlicher Handlungsbefähigung muss im Coaching oder der Therapie relativiert werden.

Es geht gerade nicht darum, auf eine Lösung im Sinne von Wiederherstellung, Heilung, Klarheit und Eindeutigkeit zu zielen, sondern darum, eine notwendige Anpassung an eine neue, uneindeutige Lebenssituation vorzunehmen.

„Resilient sein heißt lernen, mit unbeantworteten Fragen zu leben“ (Boss, 2006, S. 85). Beratung, Coaching und Therapie mit ROMPC kann hierbei eine große Unterstützung bieten.

Quellenangaben:

Andersch-Sattler, Heinz-Günter (2007), Stress- und Traumablockaden lösen. „Fahrplan“ für eine ROMPC®– Behandlung, In: Weil, Thomas (2020), S.  , Kassel (MEW e.K.) 2020, S.186

Boss, Pauline (2006), Verlust, Trauma und Resilienz, Stuttgart (Klett Cotta), 2006

Euchner, Gabriele (2013), Mit dem Fußtritt aus der Chefetage, Freiburg-München (Haufe), 2013

Weil, Thomas (2020) (Hg.), ROMPC® in Aktion. Beiträge aus zwanzig Jahren Therapie, Beratung und Coaching, Kassel (MEW e.K.), 2020

Einen ähnlichen Artikel haben wir bereits mit dem Thema „Zermürben statt kündigen“ veröffentlicht.

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