Mut, über den Schatten zu springen.


Frieden machen mit dem Fremden in uns und in anderen.

Vorbemerkung des Betreibers der Seite: Dieser Beitrag von Thomas Weil erreichte mich zusammen mit seiner Bitte, den doch zu veröffentlichen. Dem komme ich gern nach. Der Artikel passt in die Landschaft dieser Seite, weil in Verbindung mit dem Schatten und dessen Vermeidung innerer Stress entsteht, der ja durch die Nutzung des Schattendaseins gerade vermieden werden soll. Diesen Zusammenhang stellt Thomas Weil sehr anschaulich dar.

Manchmal macht das, was uns fremd ist, Angst. 
Wir sind irritiert und beunruhigt, wenn uns Menschen, die sich anders verhalten, als wir gewohnt sind, zu nahe kommen.
Wir sind irritiert und beunruhigt, wenn wir an einem Menschen, den wir zu kennen glaubten, Seiten entdecken, die uns bislang verborgen waren.
Und wir sind irritiert und beunruhigt, wenn wir uns selbst zu befremdlichen Verhaltensweisen hinreißen lassen. Verhaltensweisen, die wir normalerweise gut kontrollieren und die wir an uns nicht ausstehen können.

Es befremdet uns, wenn uns das Fremde einholt oder zu nahe kommt.

Wenn das Fremde dort bleibt, wo es „hingehört”: in der Fremde, dann jedenfalls fühlen wir uns in unserer gewohnten Umgebung sicher. Ja, dann kann es sein, dass fremde Länder und deren fremde Gewohnheiten sogar einen gewissen exotischen Reiz auf uns ausüben. Mit einem sicheren Rückflugticket in der Tasche fällt es uns leicht, uns von dem, was uns fremd ist, beeindrucken und auch manchmal bezaubern zu lassen.

Frieden zu machen mit dem Fremden, ist ein Prozess, der in unserem Inneren beginnt!

Frieden zu machen mit dem Fremden, ist ein Prozess, der damit beginnt, die Schattenseiten der eigenen Persönlichkeit wahrzunehmen, anzuerkennen und sich mit ihnen zu versöhnen.

Doch wer mag sich schon mit den Schattenseiten der eigenen Persönlichkeit? 

Wer mag sich mit den Schwächen, die wir an uns selbst nicht wahrhaben wollen. Den Schwächen, die wir vor anderen verbergen. Schwächen, die wir mitunter unter Inanspruchnahme von Therapie, Beratung und Coaching bekämpfen wollen.

Wie oft erklären wir gegen uns selbst den Krieg?

Immer dann, wenn wir mit uns hadern, weil der „innere Schweinehund” nicht so will, wie wir wollen. Weil es uns nicht gelingt, die Vorsätze, die wir getroffen haben, auch zu erfüllen. Weil wir an unseren eigenen Ansprüchen, die viel zu hoch sind, scheitern.

Unser Schatten begleitet uns auf Schritt und Tritt!

Deshalb kann man normalerweise nicht “über den eigenen Schatten springen”. 

Oder doch?

Die Verleugnung des eigenen Schattens ist keine Option.

Wenn wir unseren Schatten verleugnen, dann holt er uns immer wieder aufs Neue ein. 
Denn die verleugneten Anteile unserer selbst kehren früher oder später mit Macht zurück. Meistens dann, wenn wir am wenigsten damit rechnen. Und wir verlieren die Contenance, die wir uns üblicherweise auferlegen. 
Da hilft es auch nichts zu behaupten, es sei gar nicht unsere Art, dass wir uns haben hinreißen lassen – zu unflätigen Äußerungen oder zu emotionalen Attacken, die wir normalerweise zurückhalten. 
Die Schattenseite unserer Persönlichkeit, die in solchen Momenten die Hoheit ergreift, gehört genauso zu unserer Art wie die Sonnenseite, mit der wir uns lieber zeigen und mit der wir von anderen Menschen gesehen werden wollen.

Wenn wir unseren eigenen Schatten verleugnen, dann projizieren wir unweigerlich, um uns zu entlasten, all das, was uns an uns befremdet und was wir an uns nicht wahrhaben wollen, auf andere Menschen. Wir unterstellen anderen – insbesondere denen, die uns noch unvertraut und fremd sind – jene Feindseligkeit und Aggression, die in uns selbst schlummert. Wir fordern von den Anderen Integration, ohne den Boden der Integration in uns selbst zu bereiten. Ohne unsere eigenen Schattenseiten zu integrieren.

Die Integration der Schattenseiten unserer eigenen Persönlichkeit, ist der Schlüssel, um über den eigenen Schatten zu springen. 

Dazu braucht es Mut. 

 

Mitt herzlichen Grüßen

Thomas Weil

ROMPC®-Institut Kassel

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