Wie mache ich mir das Leben schwer? Teil 3 – Kommunikation


Hier kommt der dritte Teil des Artikels, der die Kommunikationsaxiome vorstellt anhand der im vorigen Teil dargestellten Geschichte mit dem Hammer:

Kommunikationsaxiome

Watzlawick hat 5 Kommunikationsaxiome entwickelt, die er der Kommunikation zugrundelegt:

  1. Man kann nicht nicht kommunizieren
  2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
  3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
  4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
  5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

 

Das wollen wir im einzelnen entwickeln:

1. Man kann nicht nicht kommunizieren

Wir haben diese Aussage oben schon zitiert. In unserem Beispiel wird das flüchtige Grüßen zu einem entscheidenden Ereignis in der Kommunikation von unseren Mann, auch wenn der Nachbar dem keinerlei Bedeutung beigemessen haben sollte. Die Zuschreibung von Bedeutung ist ein wesentlicher Faktor in Kommunikation in Beziehungen, in denen jedes auch noch so nebensächliche Ereignis bedeutungsvoll werden kann. So ist z.B. in der virtuellen Kommunikation immer wieder von Bedeutung für den Adressaten, wann eine email abgeschickt wurde. Manchmal nutzt der Schreiber diese Tatsache aus, indem er bewusst zu später Stunde seine emails gesammelt versendet, um deutlich zu machen, dass er auch noch zu später Stunde arbeitet.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Ob ich will oder nicht, ich sende immer auf beiden Ebenen. In unserem Beispiel: Der Nachbar hat offenbar zurück gegrüßt. Aus der Art und Weise des Grüßens leitet unser Mann den Beziehungsaspekt ab, in diesem Fall eine negative Bewertung der Beziehung. Er hat sogar eine ganz ausgefeilte Phantasie zu dieser Ausprägung der Beziehung: Das flüchtige Grüßen wird von ihm als Beziehungsaussage und negativ gewertet.

3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Hierbei bezieht sich Watzlawick auf die sog. Interpunktion der Kommunikation, also z.B. die Art und Weise der Betonung einer Aussage. Hintergrund hierzu ist, dass es systemisch in der Kommunikation keine ein-ein-deutigen Ursache-Wirkungszusammenhänge gibt. Kommunikation verläuft kreisförmig in dem Sinne, dass jedes Element Ursache und Wirkung zugleich sein kann. Das flüchtige Grüßen des Nachbarn ist einerseits Ursache der negativen Beziehungsdeutung durch unseren Mann, andererseits gleichzeitig auch Wirkung auf das Grüßen unseres Mannes hin, wobei in der Geschichte nichts über die Interpunktion beim Grüßen durch den Mann berichtet wird. Die Reaktion unseres Mannes nach dem Öffnen der Tür durch den Nachbarn ist also Wirkung auf das flüchtige Grüßen und zugleich Ursache für die Reaktion des Nachbarn, die in der Geschichte nicht mehr berichtet wird, die es aber mit Sicherheit gegeben haben wird. Wir können uns vorstellen, wie dem Nachbarn die Gesichtszüge entgleiten oder er irritiert antwortet: „Was soll das denn?“ Was dann neue Ursache-Wirkungs-Ketten nach sich ziehen würde.

4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Mit digital und analog meinte Watzlawick etwas anderes als wir heute darunter verstehen: Die digitalen Aspekte bilden die lexikalischen, syntaktischen und semantischen Möglichkeiten einer Sprache ab. Damit lässt sich ausschließlich der Inhalt einer Aussage erschließen. Diese kann einigermaßen eindeutig erfasst werden. Die analogen Elemente der Kommunikation, wie sie sich in Interpunktionen zum Ausdruck bringen lassen, sind immer mehrdeutig, weil es keine eindeutigen syntaktischen Regeln dafür gibt. Gleichzeitig machen diese Aspekte den weitaus größeren Teil der Kommunikation aus. Im Zweifelsfalle nehmen die Kommunikationspartner den analogen Anteil stärker wahr, als sei dieser bedeutsamer. Aufgrund der Mehrdeutigkeit kann es hier auch zu den größten Missverständnissen kommen. In unserer Geschichte werden die analogen Aspekte sehr detailliert dargestellt und ausgebaut, weshalb es dann zum Eklat kommt.

5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Symmetrisch hebt auf die Gleichheit der Kommunikationspartner ab, die entweder besteht oder immer wieder hergestellt wird. Komplementär hebt auf Unterschiede ab, die sich gegenseitig im besten Falle ergänzen können, die aber auch zu unterschiedlichen Bewertungen beitragen können und damit ein Oben und ein Unten in der Beziehung entstehen lassen können. Unser Beispiel ist auf Komplementarität abgestellt: der eine grüßt, der andere grüßt flüchtig; der eine hat keinen Hammer, der andere hat einen. Aus dieser Komplementarität entwickelt sich der Witz in der Geschichte. Indem das flüchtige Grüßen des Nachbarn zum Anlass genommen wird, die Komplementarität hervorzuheben, die im Besitz und Nicht-Besitz eines Hammers besteht, kommt es zu einer Paradoxie im Verhalten unseres Mannes, indem er den Nachbarn angreift, als wären die Unterstellungen wahr. Außerdem ist der Nachbar nicht mehr in der Lage, es richtig zu machen, denn alles, was er jetzt noch sagt, wird vermutlich unter dem Gesichtspunkt der Komplementarität interpretiert. Sowohl das oben dargestellte Entgleiten der Gesichtszüge wie auch die irritierte Frage „Was soll das denn?“ würde unser Mann als Bestätigung seiner Annahme über den Nachbarn verbuchen.

Wird weiter geführt!

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