Das Virus mit der Krone


Das Virus verändert sich – mutiert – und wir verändern uns mit. Wir haben das neue Jahr begonnen in aller Ruhe mit nur wenigen Kontakten zu anderen Menschen und so wird es wohl vorerst bleiben. Die Menschen in Hotspot-Gebieten werden mit noch stärkeren Einschränkungen als bisher rechnen müssen.

Zahl der Depressionen steigt

Gleichzeitig kann es nicht sein, dass wir die ganze Zeit nur auf die Infektionszahlen schauen und uns von ihnen genauso wie von der Angst treiben lassen, der Infektionswelle zunehmend ausgeliefert zu sein. Wir brauchen positive Aussichten, ebenso wie Menschen um uns herum, mit denen wir im Kontakt bleiben können. Schon jetzt ist die Zahl der Depressionen bei den Klienten in unsere Praxis stark angestiegen. Auch diese Tendenz wird vorerst so bleiben. Uns geht es darum, den Menschen Mut zu machen, zu verhindern, dass sie in der Resignation stecken bleiben.

Die eigene Krönung

Die Frage, die uns beschäftigt, lautet: Wie können wir angesichts des gekrönten Virus, das uns derzeit unser Leben diktiert und uns mittels Mutation immer fester im Griff zu haben scheint – wie können wir uns angesichts dieser tyrannischen Corona unsere eigene Krone aufsetzen und sie erhobenen Hauptes tragen? Im Moment scheint sich das Virus noch mehr Juwelen auf die Krone zu heften. Wie sieht meine ureigene Krone aus? Was sind meine besonderen Fähigkeiten, die bisher in Krisen hilfreich waren? Was davon könnte auch in der jetzigen Gesundheits- und Sozialkrise helfen? Was hat mir beim ersten Lockdown geholfen? Was davon könnte wieder hilfreich sein? Welche neuen Ideen habe ich?

Was kann helfen?

Ein Freund erzählte, dass er zu Weihnachten einen online-Kochkurs verschenkt hat, bei dem er der Kochlehrer ist. Alle anderen besorgen sich die Zutaten und kochen dann mit ihm zusammen das Gericht quasi wie im Fernsehen – mit dem Unterschied, dass ich als Teilnehmer Fragen und Kommentare abgeben kann und sofort eine Antwort erhalte. Welche Geschichten erzählen eure Freunde, wie sie mit den Einschränkungen umgehen? Was hilft denen? Könnte das auch für mich eine Hilfe sein?

Genau solche Dinge gilt es auszuprobieren, damit wir alle miteinander die Krise psychisch und sozial überleben und ausreichend Freude entwickeln können – trotz der ganzen Einschränkungen. Der nicht nur nebensächliche Nebeneffekt ist zudem, dass Freude, Kreativität und Gemeinschaft unser Immunsystem stärken.

Zuwendung und Unterstützung

Natürlich gilt unser Mitgefühl all jenen, die existenziell unter der Krise leiden: Künstler, Gastwirte an vorderster Front und alle, die selbständig tätig sind und ihr Geschäft, das sie über Jahre aufgebaut haben, entschwinden sehen bzw. Angst davor haben. Diese existenzielle Bedrohung gesellt sich zur gesundheitlichen ja noch hinzu. Hier helfen tatsächlich nur finanzielle Hilfen. Wir erwarten die von staatlicher Seite – zu Recht. Aber was können wir darüber hinaus auch noch privat tun? Friedrich Dürrenmatt, dessen Geburtstag sich kürzlich zum 100. Mal jährte, liefert ein schönes Beispiel für Solidarität mit Künstlern – wenn auch passiv. Er lebte in den 50er und 60er Jahren von finanzieller Zuwendung und Unterstützung, die ihm Privatleute zukommen ließen, damit er als Schriftsteller weiter arbeiten konnte. Es waren für den Einzelnen nur geringe Beträge, die die einzelnen regelmäßig zur Verfügung gestellt haben, die ihnen persönlich nicht weh getan haben und die doch aus der Not geholfen haben. Und darüber hinaus entsteht so das Gefühl, nicht ganz allein zu sein. Gibt es jemanden in deiner Nähe, der mit deiner finanziellen Hilfe sich über Wasser halten könnte? Der so leichter durch die Krise hindurchfindet, weil er sich unterstützt fühlt und beim Wiederaufbau leichter den Mut dazu findet?

Nicht die Opposition macht den König/die Königin, sondern die eigene innere Ermächtigung. Setzen wir uns selber und der Gemeinschaft, in der wir uns bewegen, die Krone auf. Das ist doch ein wunderbares Ziel fürs neue Jahr.

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