Hilfe in der Corona-Krise Part 2


Gerade wurde unser öffentliches Leben in Bayern weiter eingeschränkt: wir sollen und dürfen unser Haus nur für eingeschränkte Zwecke verlassen. Für eine ganze Reihe Menschen erhöht sich damit auch der innere Druck. In meinen Kontakten mit Klienten bekomme ich mit, wie die Angst umgeht vor weiteren Einschränkungen der Tätigkeiten, was für bestimmte Bevölkerungsgruppen sehr schwierig ist. Die Ängste sind z.T. Realängste wie:

  • Was mache ich mit meinem Kind als Alleinerziehende, wenn das nicht mehr zu den Großelterndarf? Es kann aber auch nicht in die Schule oder Kindereinrichtung, es kann auch nicht zu befreundeten Familien. Ich kann dann gar nicht arbeiten, habe Angst vor finanziellen Einbußen und Angst, mit meinem Kind zusammen einen „Budenkoller“ zu kriegen.

  • Was mache ich mit meinen Krankheitsängsten, die sonst auch schon da sind und jetzt viel Nahrung erhalten für Katastrophen, die ich mir ausmale? Was davon ist reale Angst, was ist überschießend im Sinne der vorliegenden Angststörung?

  • Wie gehe ich mit meinem eh schon schwelenden Ehekonflikt um, wenn ich nicht aus dem Haus darf? Wenn ich weniger Kompensationsmöglichkeiten hab? Wenn ich meinem Partner innerhalb de Wohnung nicht aus dem Wege gehen kann?

  • Was mache ich als Freiberufler mit meiner Existenzangst? Wie viel davon ist realistisch und wann beginnt die phantasierte Katastrophe?

  • Was mache ich mit erkrankten Angehörigen, die Hilfe brauchen? Wie schütze ich mich am besten? Wie gehe ich mit meinen Ängsten vor Ansteckung um? Selber angesteckt zu werden bzw. noch schlimmer, die Kranken anzustecken?

Diese und viele weitere Fragen tauchen in den Therapien auf und suchen nach Antworten. Die Antworten können nicht darin bestehen, die realen Gefahren herunterzuspielen, aber die realen von den vorgestellten Gefahren zu trennen und letztere zu besänftigen und zu beruhigen, so weit das möglich ist. Am Ende der Sitzungen ist in den meisten Fällen ein höheres Ruhepotential erreicht – egal ob eine Präsenzsitzung oder eine über elektronische Medien stattgefunden hat. Deshalb ist unsere Arbeit in diesen Zeiten unverzichtbar bei allem Schutz, den wir für uns selber natürlich auch brauchen.

Es gab in den 80er Jahren in Zusammenhang mit der atomaren Bedrohung eine Art Bewegung, die sich unter dem Titel getroffen hat: Mut in der Bedrohung. Menschen taten sich zusammen und tauschten sich aus, produzierten gemeinsam Collagen zum Thema u.v.m. und verhinderten so das Nichtstun und Ausgeliefertsein. Das hatte eine innere stabilisierende Wirkung. Damals haben sich die Menschen in Gruppen getroffen, damals ging es „nur“ um eine atomare Bedrohung. Heute können wir uns nicht Auge in Auge treffen, aber wir können die inzwischen um ein Vielfaches weiterentwickelten Medien nutzen, um den Kontakt zueinander zu erhalten und uns so gegenseitig unterstützen. Ich finde das abendliche Singen in den italienischen Städten beruhigend, weil es eine neue Art der Verbindung zwischen Menschen herstellt neben all dem Leid in den Kliniken.

Ich selber bin der vielen, sich immer wiederholenden und inhaltlich ähnlichen Informationen fast überdrüssig und freue mich, wenn auch andere Seiten deutlich werden, die auf einen Gewinn aus der Krise hindeuten.

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